Nachhaltiges Bauen: Die 3 größten Mythen | Experten-Check

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Projektentwicklung

Die 3 größten Mythen über nachhaltiges Bauen

Das ist so ein Thema, bei dem ich in Gesprächen fast immer denselben Satz höre: „Nachhaltiges Bauen...Klingt gut, aber das wird doch unbezahlbar, oder?“. Und genau da fangen die Mythen an. Oft ist es nicht die Technik, die blockiert, sondern ein Satz im Kopf, der sich „wahr“ anfühlt, obwohl die Zahlen etwas anderes erzählen, ganz einfach.

Mythos 1: „Klimagerechtes Bauen ist immer teurer“

Warum „immer teurer“ selten stimmt, aber Einzelfälle abweichen können

Das ist der Klassiker. Und ganz ehrlich, ich verstehe, woher er kommt: Viele denken an teure Einzelmaßnahmen, Show-Details und irgendein Label, das am Ende keiner liest. In Kalkulationsrunden kippt die Stimmung manchmal schon, bevor Varianten überhaupt sauber auf dem Tisch liegen: „Okay, ich mache das jetzt, aber bitte ohne Kostenexplosion.“

Was in der Praxis oft fehlt, ist Struktur. Nicht nur auf die Herstellungskosten schauen, sondern auf das ganze Paket aus Bau, Betrieb und Instandhaltung. Genau da wird es einfach, weil Zahlen plötzlich die Emotion ersetzen.

Die DGNB hat gemeinsam mit dem BPIE eine Marktstudie zu Gebäudeökobilanzen veröffentlicht, samt Kurzstudie als PDF. Der Tenor ist nicht „alles billig“, sondern: Die Sorge, dass bessere Ökobilanzen automatisch zu höheren Kosten führen, ist so pauschal nicht belegbar. Es gibt keine klare, lineare Kopplung „besser in der Ökobilanz gleich teurer“.

Die wichtige Einordnung dazu: Das gilt in der Tendenz, aber nicht als Naturgesetz. Einzelmaßnahmen können Mehrkosten bedeuten, ganz einfach, weil Material, Detailgrad oder Ausführung anspruchsvoller sind. Ob das am Ende wirtschaftlich ist, entscheidet sich oft über Betriebskosten, Förderlogik und Planungstiefe, also weniger Umplanen und weniger Nachträge. Jedenfalls ist „immer teurer“ als Grundsatz ein Mythos – ein Punkt, den wir auch in der Projektentwicklung immer wieder durchrechnen.

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Mythos 2: „Holzbau ist Brandrisiko oder Greenwashing“

Was Holz wirklich braucht: Nachweise, Länderlogik, saubere Systemgrenzen

Das ist/war für viele ein emotionales Thema. Holz gleich Feuer. Und gleichzeitig der Gegen-Mythos: Holz sei automatisch „gut“, egal woher es kommt und wie es eingesetzt wird. Beides ist Larifari.

Brandschutz ist hier nicht Bauchgefühl, sondern Nachweis. Es gibt ein Musterregelwerk, das brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise beschreibt.

Wichtig für die fachliche Präzision: Die MHolzBauRL ist kein Gesetz. Sie ist eine Musterregelung, beschlossen auf Ebene der Bauministerkonferenz und veröffentlicht, unter anderem über das DIBt. Verbindlichkeit entsteht erst, wenn Bundesländer sie bauordnungsrechtlich übernehmen, zum Beispiel über die VV TB oder über landesrechtliche Regelungen.

Und zur Klimaebene, damit es nicht in Slogans abrutscht: Holz im Bau kann sinnvoll sein. Bei energetischer Nutzung ist die Klimawirkung aber nicht pauschal „unbegrenzt erneuerbar“, sondern hängt an Kriterien und Rahmenbedingungen, auf die das Umweltbundesamt ausdrücklich hinweist.

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Mythos 3: „Hauptsache niedriger Heizverbrauch, der Rest ist egal“

Warum „graue Energie“ und Materialwahl in 2026 nicht mehr wegzudiskutieren sind

Das ist der Mythos, der dich in eine Scheinsicherheit führt. „Wir machen Effizienzhaus, dann passt das schon.“ Klar. Und dann wird die Materialseite vergessen.

Das Umweltbundesamt sagt beim Neubau ausdrücklich: Achte nicht nur auf den Energieverbrauch im Betrieb, sondern auch auf Baustoffe und Bauweise mit geringem Energieaufwand in der Herstellung, also das, was viele als „graue Energie“ kennen.

Genau deshalb gibt es Forschungsarbeiten im Auftrag des Bundes, die den Energieaufwand im gesamten Lebenszyklus verschiedener Gebäudekonzepte untersuchen, nicht nur den Betrieb. Das ist keine Theorie, das ist Entscheidungslogik.

Und dann das Dämm-Thema, ohne Stammtisch: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages fasst Studien zusammen, die Herstellungsaufwand und Emissionen von Dämmstoffen den Einsparungen über die Lebensdauer gegenüberstellen. Die Pointe ist nicht „Dämmung pauschal“, sondern: Dämmstoffwahl, Konstruktion und Lebensdauer entscheiden über die CO2-Bilanz. Einige Dämmstoffgruppen haben höhere Herstellungsemissionen als andere. Deshalb ist die Stellschraube nicht „Dämmung ja oder nein“, sondern welches Material, welche Dicke, welche Rückbau-Logik. Dann wird es einfach, weil man wirklich vergleichen kann.

Normen-Kontext, damit Zahlen vergleichbar sind: Für Gebäude-Ökobilanzen ist DIN EN 15978 der zentrale Referenzrahmen. Ohne diesen Rahmen werden Werte methodisch schnell unvergleichbar.

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Was du im Raum München konkret prüfen solltest (Straßlach, südliches Umland)

Ein einfacher Prüfpfad, bevor du dich festlegst

Das ist der Teil, der in echten Entscheidungen hilft. Nicht moralisch, sondern praktisch.

  • Rechne zwei Spuren: Herstellung plus Betrieb. Sonst diskutierst du am Ziel vorbei.
  • Lege Annahmen offen: Lebensdauer, Energiepreise, Instandhaltung. Schriftlich ist hier Gold wert.
  • Prüfe Genehmigung und Brandschutz früh, gerade bei Holzbau oder hybriden Systemen. Späte Erkenntnisse machen aus „nur entscheiden“ oft ein Umplanen mit Nachträgen.

Bayern-Kontext: In der BayBO sind Anforderungen an Außenwände und Außenwandbekleidungen konkret geregelt. Gerade bei Fassadenaufbauten wird das schnell relevant, und zwar früher als viele denken. In einer strategische Beratung klären wir diese Hürden oft schon vor dem ersten Spatenstich.

Förderlogik konkret: Bei KfW-Programmen rund um den klimafreundlichen Neubau sind Nachweise zum Treibhauspotenzial (GWP100) nach QNG-Bilanzregeln Bestandteil der technischen Mindestanforderungen. Wer das früh mitdenkt, hat beim Antrag weniger Reibung.

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Kurz-Check, ob ein Mythos gerade dein Projekt steuert
  • Sagst du „zu teuer“, ohne Lebenszyklus-Zahlen gesehen zu haben?
  • Vergleichst du Varianten nur über Baukosten, nicht über 30 Jahre?
  • Gibt es noch keinen Nachweisfahrplan (Energie, Brandschutz, Bauphysik)?
  • Fehlen Annahmen schriftlich, also wirklich schwarz auf weiß?
  • Wird „Holz“ als Gefühl diskutiert, nicht als Konstruktionssystem mit Nachweisen?
3 Kennzahlen, die ich immer sehen will (und warum)
  • kg CO2e über den Lebenszyklus je Bezugsfläche (Material plus Betrieb). Für Förderung und Zertifizierung zunehmend relevant, zum Beispiel über QNG und KfW, wo GWP100 als LCA-Nachweis gefordert wird.
  • Invest plus Betriebskosten als Barwert (weil „billig“ oft nur am Anfang billig ist)
  • Nachweisstand Brandschutz im Holzbau (weil „geht nicht“ oft nur „noch nicht geplant“ heißt)

FAQ

Ist klimafestes Bauen automatisch teurer?

Nein, nicht automatisch. Marktdaten zeigen keine pauschale lineare Kopplung „bessere Ökobilanz gleich höhere Baukosten“. Einzelfälle können abweichen, deshalb hilft Variantenvergleich mit offenen Annahmen.

Ist die MHolzBauRL ein Gesetz?

Nein. Es ist ein Musterregelwerk. Verbindlich wird es erst über die jeweilige Landesanwendung.

Ist Holzbau automatisch klimafreundlich?

Holz kann sinnvoll sein, aber die Bewertung hängt von Systemgrenzen und Nutzung ab. Für energetische Nutzung betont das UBA Kriterien und Rahmenbedingungen.

Warum reden alle über „graue Energie“?

Weil Herstellung und Bauphase relevant sind und beim Neubau nicht ignoriert werden sollten. Das UBA nennt das explizit.

Lohnt sich Dämmung wirklich?

Oft ja, aber nicht als Pauschalantwort. Es kommt auf Materialgruppe, Konstruktion, Lebensdauer und Rückbau an. Der Bundestag WD zeigt dazu Gegenüberstellungen.

Welche Norm sorgt für vergleichbare Ökobilanzen?

DIN EN 15978. Ohne diesen Rahmen werden Werte methodisch schnell unvergleichbar.

Erst mal sauber sortieren

Wenn Sie sich mit einem Bau- oder Umbauprojekt im Raum München beschäftigen und merken, dass Begriffe wie Ökobilanz, Holzbau oder Förderung schnell unübersichtlich werden, helfe ich gern beim Strukturieren der Fragen und Unterlagen, damit Sie danach gezielter mit Planern, Architekten oder Energieberatern weitergehen können. Kein Verkaufsdruck, sondern ein klarer Blick auf Annahmen, Nachweise und nächste Schritte.

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