1% Tilgung macht dich reich? Oder bringt dich nur in Stress?

Inhaltsverzeichnis

Immobilien-Vermögensaufbau: 1 % vs. 2 % Tilgung – Der große Vergleich

Auf Social Media heißt es oft: „Nimm immer 1 % Tilgung für maximalen Cashflow.“ Das klingt verlockend, da die monatliche Belastung sinkt. Doch wie wirkt sich das langfristig auf dein Risiko und dein Vermögen aus?

Was heißt 1 % Tilgung?

1 % Tilgung ist die anfängliche Rückzahlung pro Jahr, bezogen auf die Darlehenssumme.

Faustformel: Monatsrate ≈ (Zins % + Tilgung %) × Darlehen / 12

Die Rate bleibt konstant, aber bei 1 % sinkt die Restschuld deutlich langsamer.

Vergleich: Monatsrate bei 1 % vs. 2 % Tilgung

Tabelle 1: Monatliche Rate im Vergleich (Beispiel: 500.000 € Darlehen, 4,6 % Zins)
Tilgung Monatsrate Unterschied
1 % Tilgung ca. 2.333 €
2 % Tilgung ca. 2.750 € + ca. 417 €

Liquiditätsvorteil von 1 % Tilgung über 10 Jahre

Tabelle 2: Zusätzliche Liquidität durch 1 % Tilgung über 120 Monate
Kennzahl Wert
Rate-Differenz pro Monat ca. 417 €
Zeitraum 120 Monate
Zusätzliche Liquidität bei 1 % ca. 50.000 €

Das ist der „Hebel“, von dem viele sprechen: Mit 1 % Tilgung hast du über 10 Jahre ca. 50.000 € mehr zur Verfügung. Die entscheidende Frage ist: Arbeitet dieses Geld für dich oder wird es konsumiert?

Die Kehrseite: Restschuld und Zinslast

Tabelle 3: Vergleich der Restschuld nach Ende der 10-jährigen Zinsbindung
Kennzahl nach 10J 1 % Tilgung 2 % Tilgung Differenz
Restschuld ca. 436.665 € ca. 373.330 € ca. 63.335 €

Diese rund 63.000 € werden entscheidend, wenn die Zinsbindung endet. Hier passieren die meisten Denkfehler: Viele betrachten nur den Cashflow heute, aber nicht das Risiko von morgen.

Stress-Test: Die Zins-Sensitivität bei der Anschlussfinanzierung

Vielleicht denkst du: „Ist doch egal, dann wähle ich in 10 Jahren einfach wieder 1 % Tilgung.“ Doch hier kann man sich ordentlich verbrennen. Du zahlst bei 1 % Tilgung deutlich mehr reinen Zinsaufwand an die Bank.

Tabelle 4: Monatliche Zinslast bei Anschlussfinanzierung (reiner Zinsaufwand)
Anschlusszins p.a. 1 % Tilgung: Zinslast 2 % Tilgung: Zinslast Mehrkosten bei 1 %
3 % ca. 1.092 € ca. 933 € ca. 158 €
5 % ca. 1.819 € ca. 1.556 € ca. 264 €
7 % ca. 2.547 € ca. 2.178 € ca. 369 €

Je höher die Restschuld, desto stärker wirkt jeder Prozentpunkt Anschlusszins. 1 % Tilgung erhöht deshalb die Zins-Sensitivität deines Portfolios massiv. Diese Mehrkosten sind strategisch nur akzeptabel, wenn deine investierten 50.000 € in der Zwischenzeit eine höhere Rendite erwirtschaftet haben, die diese Last deckt, oder du die Immobilie erfolgreich verkaufst.

Warum die Bankbewertung ein echtes Risiko ist

Banken schauen auf den Beleihungsauslauf (LTV). Wenn die Marktwerte sinken, könnte dich die Bank in 10 Jahren zu einer höheren Tilgung zwingen. Eine professionelle Immobilienbewertung hilft dir heute, deine Beleihungsgrenzen realistisch einzuschätzen.

Tabelle 5: LTV-Risiko bei konservativer Bewertung (Beispiel 400.000 €)
Szenario Restschuld Beleihungswert Verhältnis (LTV)
1 % Tilgung 436.665 € 400.000 € 109 %
2 % Tilgung 373.330 € 400.000 € 93 %

Welche Rendite musst du schaffen, damit 1 % gewinnt?

Vergleichslogik: Damit 1 % Tilgung profitabler ist als 2 %, muss dein monatlich gespartes Kapital (417 €) nach 10 Jahren die Restschuld-Differenz von ca. 63.335 € schlagen.
Tabelle 6: Notwendige Rendite p.a. zur Kompensation der höheren Restschuld
Rendite p.a. Endwert nach 10 Jahren Ziel geschlagen?
0 % (Girokonto) ca. 50.040 € Nein
3 % (Festgeld) ca. 58.150 € Nein
5 % (ETF/Depot) ca. 64.369 € Knapp ja
6 % (Praxis-Hürde) ca. 67.751 € Ja
7 % (Aktien/Immo) ca. 71.329 € Ja

Nach Steuern und Gebühren ist eine Rendite von 5 % oft nicht mehr ausreichend. Wer mit seinem Kapital nicht aktiv arbeitet, fährt mit einer höheren Tilgung meist sicherer.

Die 5 Kernrisiken bei „immer 1 %“

  • Disziplin-Risiko: Der Liquiditätsvorteil wird konsumiert statt investiert.
  • Zinsänderungsrisiko: Eine hohe Restschuld erhöht die Sensitivität gegenüber Zinssteigerungen.
  • Flexibilitätsverlust: Bei schlechtem LTV bestimmt die Bank die Tilgungshöhe, nicht du.
  • Cashflow-Illusion: Kurzfristiger Überschuss verdeckt langfristige Instandhaltungspflichten.
  • Timing-Risiko: Erzwungene Verkäufe in Markttiefs können die Strategie ruinieren.

Fazit: Was ist besser – 1 % oder 2 % Tilgung?

1 % Tilgung

Nicht falsch, aber sie braucht einen Plan:

  • Rücklagen konsequent bilden
  • Sondertilgung oder Tilgungssatzwechsel nutzen
  • Risiko-Analyse für die Anschlussfinanzierung

2 % Tilgung

Oft der ruhigere & stabilere Weg:

  • Weniger Cashflow heute für mehr Sicherheit morgen
  • Geringere Abhängigkeit von Bankbewertungen
  • Schnellerer Aufbau von echtem Eigenkapital

Unterm Strich

1 % ist kein Trick, der automatisch reich macht. Es ist ein Hebel. Und jeder Hebel braucht eine klare Strategie. 2 % ist weniger aufregend, aber oft der bessere Stress-Filter, wenn du noch am Anfang deines Bestandsaufbaus stehst. In einer individuellen Immobilienberatung lässt sich die passende Quote für dein Ziel genau bestimmen.

Der schnelle Selbsttest

Würdest du die rund 417 € monatlich wirklich konsequent investieren?

Wenn das nicht glasklar „ja“ ist, ist die höhere Tilgung häufig die stabilere Entscheidung für dein Portfolio. Du bist dir noch unsicher? Kontaktiere uns für einen Strategie-Check.

FAQ: 1 % vs. 2 % Tilgung bei Immobilien

Was bedeutet 1 % Tilgung genau?

Du zahlst zu Beginn pro Jahr 1 % der ursprünglichen Darlehenssumme an die Bank zurück. Da der Zinsanteil innerhalb deiner konstanten Rate monatlich sinkt, steigt der Tilgungsanteil über die Zeit leicht an. Es ist die minimal mögliche Rückzahlung bei den meisten Banken im aktuellen Marktumfeld von 2026.

Was ist der Vorteil von 2 % Tilgung?

Mit 2 % Tilgung baust du schneller echtes Eigenkapital auf und reduzierst das Risiko bei der Anschlussfinanzierung. Da die Restschuld nach 10 Jahren deutlich niedriger ist, bist du weniger anfällig für steigende Marktzinsen oder eine konservative Immobilienbewertung durch die Bank.

Ist 1 % Tilgung besser für den Vermögensaufbau?

Das hängt von deiner Reinvestitions-Strategie ab. 1 % Tilgung ist nur dann besser, wenn du die monatliche Ersparnis (Liquiditätsvorteil) diszipliniert in Anlagen investierst, deren Rendite nach Steuern höher ist als dein Kreditzins. Eine strategische Immobilienberatung hilft dir dabei, diese Opportunitätskosten genau zu kalkulieren.

Warum ist die Restschuld nach 10 Jahren so wichtig?

Die Restschuld bildet die Basis für deine neue Finanzierung. Ist sie zu hoch und der Marktwert der Immobilie stagniert, steigt dein Beleihungsauslauf (LTV). Dies kann dazu führen, dass die Bank im nächsten Schritt schlechtere Zinskonditionen anbietet oder dich zu einer deutlich höheren Tilgung zwingt.

Immobilienfinanzierungsrechner 1% vs. 2% Tilgung

Tilgungs-Strategie Rechner

1% Tilgung

Monatliche Rate0 € Cashflow-Vorteil/Monat0 € Restschuld nach Ende0 €

2% Tilgung

Monatliche Rate0 € Cashflow-Vorteil/Monat Restschuld nach Ende0 €
Liquiditätsvorteil bei 1%: 0 €
Zusätzliche Tilgung bei 2%: 0 €
Haftungsausschluss: Diese Berechnung dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein verbindliches Finanzierungsangebot dar. Die Ergebnisse basieren auf vereinfachten Annahmen eines Standard-Annuitätendarlehens. Individuelle Faktoren wie Kontoführungsgebühren, abweichende Zinsverrechnungszeiträume oder Bearbeitungsentgelte der Banken sind nicht berücksichtigt. Für die Richtigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bitte konsultieren Sie für eine verbindliche Finanzierungsplanung einen qualifizierten Berater.

Stand: 2026
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